Unsere Grundhaltung fusst auf den Grundsätzen der Sozialpädagogik und insbesondere der Traumapädagogik, die wichtige Aspekte für die Arbeit mit Jugendlichen mit psychischen Belastungen bieten. Sie baut auf einer wertschätzenden und verständnisvollen Haltung der Betreuungspersonen auf. Unser Fokus liegt auf den Ressourcen und der Resilienz der Jugendlichen. Für eine solche Haltung ist das Wissen um Folgen von Traumatisierungen und biographischen Belastungen unabdingbar. Wir begegnen den Jugendlichen soweit möglich auf Augenhöhe und gehen partnerschaftlich mit ihnen um. Wir pflegen eine Du-Kultur auf allen Ebenen und bezeichnen unsere Jugendlichen als Lernende. Unsere Haltung beruht auf fünf Säulen:

Die Annahme des guten Grundes: Wir gehen davon aus, dass jedes Verhalten unserer Lernenden einen biographischen Hintergrund hat und für sie in diesem Moment Sinn macht. Um mit psychischen Belastungen und persönlichen Schwierigkeiten zu leben haben sich unsere Lernenden bestimmte Verhaltensweisen angeeignet. Diese Verhaltensweisen wirken sich des Öfteren belastend auf andere Menschen aus. Durch die auftretende Belastung kann es vorkommen, dass die Würdigung und Wertschätzung eines Verhaltens als notwendige Überlebensstrategie verloren geht. Die individuelle Reflexion der Mitarbeitenden, der Austausch im Team sowie gegenseitige ehrliche und direkte Rückmeldungen unter den Betreuungspersonen sind deshalb unerlässlich. Dies kann im Alltag, in Form von Teamsitzungen oder auch mit professioneller Unterstützung von aussen (z.B. Supervision) erfolgen.

Wertschätzung: Unsere Arbeit zielt auf die Schaffung eines sicheren Ortes ab, an dem die Lernenden die Möglichkeit haben, ein positives Selbstbild entwickeln zu können. Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein der Lernenden sollen durch eine wertschätzende Haltung der Betreuungspersonen wachsen. Dadurch ermöglichen wir ihnen neue und alternative Beziehungserfahrungen zu machen.

Partizipation: Um die Selbstwirksamkeitserwartung der Lernenden zu stärken und einem Gefühl von Kontrollverlust entgegenzuwirken, ist es wichtig, dass sie aktiv an ihren Lebensbedingungen arbeiten. Das Erleben von Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit wird von den Betreuungspersonen gefördert und unterstützt auf diese Weise die Motivation der Lernenden. In der Arbeit mit den Lernenden handeln wir nach der Devise: So wenig Begleitung wie möglich, so viel Unterstützung wie nötig.

Transparenz: Es ist uns wichtig, dass die Lernenden ein Gefühl von Berechenbarkeit und Transparenz vermittelt bekommen. Dies gilt sowohl in Bezug auf persönliche als auch in beruflichen Belangen. Unsere Transparenz gegenüber den Lernenden soll ihnen Orientierung und Sicherheit vermitteln. Den Lernenden werden so Erklärungsansätze und Interpretationen von ihrem eigenen, aber auch von unserem Verhalten geboten, damit sie ihr Selbstbild weiter entwickeln können.

Spaß und Freude: Um Belastungen, negativen Gefühlen und Stimmungen entgegenzuwirken, ist es hilfreich, Spaß und Freude im Alltag zu schaffen. Vorhandene Ressourcen müssen gestärkt, neue entdeckt werden. Wir bieten unseren Lernenden Möglichkeiten zu einer ausgleichenden Lebensgestaltung in unterschiedlichen Bereichen. Ergänzend organisieren wir gemeinsame Anlässe und Ausflüge, die Raum für Neues und gemeinsame Erlebnisse bieten. Wir zeigen uns den Lernenden gegenüber nicht nur als Fachpersonen, sondern auch als Menschen mit Humor, welche die Fähigkeit und die Bereitschaft besitzen, alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken auch mal mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.

Da Beziehung immer zwischen den Beteiligten entsteht, kann unsere pädagogische Grundhaltung nur wirksam und nachhaltig sein, wenn auch unsere Lernenden die aktive Bereitschaft zeigen, sich einzulassen, an sich zu arbeiten, Frustrationstoleranz zu entwickeln und – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – Verantwortung für sich und ihr Leben zu übernehmen. Dieses Bemühen erwarten wir von ihnen.

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